EIN ANDERER NAME FÜR EIN BEKANNTES THEMA

Wechseljahre beim Mann – gibt es das wirklich?

Von Alexander Djordjevic, Gründer von GetBeyondShape

Du hast das Wort vielleicht selbst schon gedacht, ohne es laut auszusprechen: „Komme ich gerade in die Wechseljahre?" Weniger Antrieb, mehr Bauchfett trotz gleicher Ernährung, eine Reizbarkeit, die du an dir selbst nicht kennst.

Die kurze Antwort: Nicht so, wie bei Frauen. Die längere Antwort ist interessanter – und sie erklärt, warum die meisten Männer mit genau diesen Beschwerden beim Hausarzt zu hören bekommen, alles sei „im Normbereich".

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Alexander Djordjevic
Alexander Djordjevic
Zweifach TÜV-zertifizierter Health-Coach · Autor · mehr über meinen Werdegang

Warum der Name in die Irre führt

Kein abrupter Wechsel, sondern ein langsamer, gleichmäßiger Rückgang Der Name "Wechseljahre" suggeriert einen Umbruch, den es so nicht gibt 30 80 Jahre Lebensalter Hormonspiegel so stellt man sich "Wechseljahre" vor so verläuft es tatsächlich Rund 1,6 % Rückgang des Gesamt-Testosterons pro Jahr, ohne erkennbaren Wendepunkt.

Der gedachte Umbruch (gestrichelt) gegenüber dem tatsächlichen Verlauf: eine lange, gleichmäßige Rampe ohne erkennbaren Wendepunkt.

Bei Frauen ist die Menopause klar umrissen: ein Hormon, ein deutlicher Rückgang, ein erkennbarer Zeitpunkt – die letzte Regelblutung. Beim Mann gibt es nichts Vergleichbares.

Eine der umfangreichsten Langzeituntersuchungen zu diesem Thema hat denselben Männern über Jahre hinweg wiederholt Blut abgenommen. Das Ergebnis: Das Gesamt-Testosteron sinkt im Schnitt um rund 1,6 % pro Jahr – kontinuierlich, ohne erkennbaren Wendepunkt. Das freie, tatsächlich wirksame Testosteron sinkt sogar noch etwas schneller, weil mit dem Alter gleichzeitig ein Transporteiweiß ansteigt, das Testosteron bindet.

Es gibt also keinen Tag, an dem „es losgeht". Es gibt einen langen, flachen Abwärtstrend, der um das 30. bis 40. Lebensjahr beginnt und sich über Jahrzehnte fortsetzt.

Warum das mehr ist als Wortklauberei: Ein „Wechsel" verlangt nach einer Reaktion an einem Punkt. Ein Rückgang verlangt nach etwas anderem – kontinuierlicher Gegensteuerung, nicht einer einmaligen Maßnahme, die man dann abhaken kann.

Der zweite Denkfehler: „Dann habe ich wohl einen Mangel"

Echter, streng definierter Testosteronmangel ist selten – der Rückgang betrifft trotzdem fast alle "Kein Mangel laut Diagnose" heißt nicht "kein Rückgang, der zählt" Anteil der Männer, die die strengen klinischen Kriterien für Testosteronmangel erfüllen (EMAS-Studie, 3.369 Männer) 60- bis 69-Jährige 3 % erfüllen die strengen Kriterien 70- bis 79-Jährige 5 % erfüllen die strengen Kriterien Was diese Zahl nicht sagt: Die strenge Definition verlangt sexuelle Symptome UND einen sehr niedrigen Wert gleichzeitig. Viel mehr Männer liegen darunter – mit spürbarem Rückgang, aber ohne die volle Diagnose. Für sie heißt "keine Diagnose" nicht "kein Handlungsbedarf".

Nur 3–5 % erfüllen die strenge klinische Definition für Testosteronmangel – viel mehr Männer liegen darunter, mit spürbarem Rückgang, aber ohne die volle Diagnose.

Hier wird es für die meisten Männer erst wirklich frustrierend. Eine große europäische Studie an über 3.300 Männern zwischen 40 und 79 hat exakt definiert, wann ein „echter" altersbedingter Testosteronmangel vorliegt: mindestens drei sexuelle Symptome zusammen mit einem nachweislich sehr niedrigen Testosteronwert – sowohl im Gesamt- als auch im freien Wert.

Nach dieser strengen Definition erfüllten nur 3 % der 60- bis 69-Jährigen und 5 % der 70- bis 79-Jährigen tatsächlich die Kriterien.

Das bedeutet: Wenn du zum Hausarzt gehst und dein Wert „gerade noch normal" ist, bekommst du zu Recht keine Diagnose. Das heißt aber nicht, dass dein Rückgang bedeutungslos ist. Die strenge Definition existiert, um eine echte Erkrankung von normalem Altern zu trennen – nicht, um zu behaupten, alles darunter sei irrelevant. Genau in diesem Zwischenraum bewegen sich die meisten Männer, die spüren, dass etwas nicht mehr stimmt, ohne dass ein einzelner Bluttest das bestätigt.

Was tatsächlich dahintersteckt, wenn „Wechseljahre" sich richtig anfühlt

Die Symptome, die landläufig den „männlichen Wechseljahren" zugeschrieben werden, haben meist mehrere sich überlagernde Ursachen – nicht nur den langsamen Testosteron-Rückgang selbst:

  • Der Rückgang trifft nicht isoliert: Ab Mitte 30 kommen bei vielen Männern gleichzeitig mehr berufliche Verantwortung, weniger Schlaf und mehr Dauerstress hinzu. Dauerhaft erhöhtes Cortisol bremst die Testosteronproduktion zusätzlich zur normalen Alterung – zwei Effekte, die sich addieren, nicht nur einer. Die vollständige Erklärung dazu steht auf Cortisol senken.
  • Nachlassende Libido wird oft vorschnell nur dem Testosteron zugeschrieben: Tatsächlich spielen mehrere Faktoren zusammen – Testosteron ist nur einer davon, und wirkt nachweislich nur unterhalb einer bestimmten Mangelschwelle. Mehr dazu auf Libido steigern als Mann.
  • Bauchfett und Testosteron verstärken sich gegenseitig: Mehr Bauchfett bedeutet mehr Umwandlung von Testosteron in Östrogen – ein Kreislauf, der sich von selbst nicht auflöst.

Was daraus folgt

Weil es weder einen Stichtag noch – für die meisten – eine formale Diagnose gibt, bringt Abwarten nichts. Der Rückgang läuft weiter, ob er benannt wird oder nicht.

Was stattdessen zählt: wissen, wo du stehst, statt zu raten, ob du „nur älter wirst" oder ob mehrere der oben genannten Faktoren zusammenkommen. Bei über 150 begleiteten Männern lag der Fokus deshalb nie auf einem einzelnen Wert, sondern auf dem Zusammenspiel – im Schnitt mit einer Steigerung des freien Testosterons um 66 % nach sechs Monaten gezielter Begleitung. Mehr dazu und einzelne Verläufe auf Testo Reload.

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Häufige Fragen

Kommen Männer wirklich in die Wechseljahre?

Nicht im medizinischen Sinne der weiblichen Menopause. Es gibt keinen vergleichbaren, klar abgrenzbaren Einschnitt. Was es gibt, ist ein langsamer, kontinuierlicher Rückgang des Testosterons ab etwa Mitte 30 – ohne erkennbaren Stichtag.

Wie heißt das Ganze medizinisch korrekt?

Der Fachbegriff ist Andropause, seltener auch Klimakterium virile. In der strengen klinischen Definition spricht man von „Late-Onset Hypogonadism" – einem spät im Leben auftretenden Testosteronmangel.

Ab wann können die Symptome auftreten?

Der Rückgang beginnt meist zwischen Mitte 30 und Anfang 40, verläuft aber so langsam, dass viele Männer die ersten Auswirkungen erst zehn bis fünfzehn Jahre später bewusst bemerken.

Wie lange dauert das?

Anders als bei der weiblichen Menopause gibt es kein definiertes Ende. Der Rückgang setzt sich lebenslang fort, wird aber durch Lebensstilfaktoren (Schlaf, Stress, Gewicht, Training) deutlich beeinflusst.

Was hilft – gibt es pflanzliche Mittel?

Für die meisten frei verkäuflichen pflanzlichen Präparate ist die Studienlage schwach. Was nachweislich wirkt, sind dieselben Hebel wie bei niedrigem Testosteron allgemein: Schlaf, Krafttraining, Stressreduktion, Gewichtsmanagement – siehe Testosteron natürlich steigern.

Sollte ich meinen Testosteronwert testen lassen?

Das kann sinnvoll sein, sollte aber im Zusammenhang mit deinen Symptomen und weiteren Werten (u. a. freies Testosteron, SHBG) betrachtet werden – ein Einzelwert allein sagt wenig aus. Genaueres bespricht man am besten mit einem Arzt.

Ist das eine Hormontherapie?

Bei GetBeyondShape nein. Wir führen keine Hormone zu, sondern arbeiten daran, die körpereigene Produktion zu unterstützen. Ob im Einzelfall eine Hormonersatztherapie sinnvoll ist, entscheidet ein Arzt – bei echtem, diagnostiziertem Mangel.

Worauf sich dieser Text stützt

Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus veröffentlichten Untersuchungen, nicht aus Erfahrungswerten. Die Quellen sind hier verlinkt und nachprüfbar.

  • Feldman HA, Longcope C, Derby CA, et al. Age Trends in the Level of Serum Testosterone and Other Hormones in Middle-Aged Men: Longitudinal Results from the Massachusetts Male Aging Study. J Clin Endocrinol Metab. 2002;87(2):589–598.
  • Wu FCW, Tajar A, Beynon JM, et al.; EMAS Group. Identification of Late-Onset Hypogonadism in Middle-Aged and Elderly Men. N Engl J Med. 2010;363(2):123–135.
  • Zum Zusammenhang zwischen Cortisol und Testosteron sowie zum Schwellenwert-Effekt bei der Libido: ausführliche Quellenangaben auf Cortisol senken und Libido steigern als Mann.
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Wir arbeiten bei allem Medizinischen mit Fachärzten zusammen.